© Sabine Ibing, Lorib GmbH
Autorin Sabine Ibing
Bücher, die mir selbst gut gefallen haben Krimis / Thriller Rezension Orphan X von Gregg Hurwitz Eins der Bücher, das mich bis zur Mitte hielt und dann langweilte, Schade. Für Spannung und Action könnte man theoretisch 5 * geben, aber auch da gebe ich nur vier, dazu später. Für die Geschichte an sich gibt es nur einen Stern. Wer auf American-Hero-bum-zack-bum steht, der sollte das Buch lesen. Verfilmt könnte ich mir die Geschichte auch vorstellen. Der Inhalt passt auf einen Kinderfahrschein: Evan Smoak, Orphan X wird schon als Jugendlicher zum Killer aufgebaut und trainiert, zu töten für die Guten, die Regierung. Irgendwann merkt er, dass er betrogen wurde und einen Umweltaktivisten umgebracht hat, der natürlich der Regierung ein Dorn im Auge war (Rückblende). Er zieht sich zurück, arbeitet privat, rächt Witwen und Waisen, greift da durch, wo die Justiz versagt. Nun wird er selbst zum Gejagten, ein anderer Orphan ist hinter ihm her. Einer wird gewinnen. Genau das war mir zu wenig und genau das habe ich 100 Mal vorher gelesen oder gesehen. Wo ist das Thema? Der Agent / Killer, der aussteigt, weil die Regierung ihn benutzt? Das wird in der Rückblende erwähnt und das gab es schon so oft. Politisch wird es auch nur angeschnitten. Private Menschen, die in guter Absicht Selbstjustiz begehen, auch das wird als legitim dargestellt, nicht einmal hinterfragt. Auch dies Thema gab es schon zig Mal besser. Der Killer, der von einem anderen Killer gejagt wird, bis sie im Showdown gegenüberstehen? Alt bekannt. Der Killer, Einzelgänger, der seine festen Regeln und Prinzipien hat «Es ist nie Persönlich», und zu dem Zeitpunkt Ärger bekommt, als er sie bricht? Die Regeln werden in Paragraphen formuliert. Kommt mir verdammt bekannt vor. Was hat mir gut gefallen? Der Roman beginnt spannend, hält sie auch. Evan benutzt mehrerer Wohnungen und Autos. Alles ist total abgesichert. Die beschriebene Technik, Absicherung und Abhörmöglichkeiten sind wirklich gut beschrieben, ebenso Waffen und Kampftechnik. Das machte bis zur Mitte Spaß. Da ahnte ich: Mehr kommt wohl nicht mehr und wie ein Bond ausgeht, das wissen wir ja. Bei 70 % war klar, es gibt kein Thema. Das Ziel ist klar, nur der Weg noch nicht, aber auch zu erahnen. Wie gesagt, spannend geschrieben, sonst hätte ich zugeklappt. Und nun zum Ende, das mich ermüdet hat. Man merkt, der Autor ist Drehbuchschreiber. Dabei hätte er es belassen sollen. Als Anweisung für den Schauspieler passt es, aber den Leser ermüdet es. Seitenlang wird ins Detail ein Kampf dokumentarisch geschildert, Ein Wing Sun Tang Kick aus dieser Kampfsportart wird mit Abwehr aus japanischem … abgeblockt, der mit einem Philippinischen Irgendwas beantwortet wird, worauf der Gegener einen Teep-Kick aus dem Muay Thai gab … Das aber detailliert geschildert. Bilder im Kopf? Keine. Es las sich eher wie eine Betriebsanleitung. Im Nachwort bedankt sich der Autor bei einigen Helfern, die ihm Waffentechnik, Kampftechnik usw. erklärten. Und genauso klang es. Es wurde keine erlebte Emotion wiedergegeben, sondern Techniken. Alle Aktion-Szenen sind detailliert mit viel Getöse, Zerstörung und Detonation angelegt. Das macht das Skript ein wenig unglaubwürdig. Ein Mann, der einsam wie ein Schatten agiert und so viel Krawall hinterlässt? So wird ein Filmskript geschrieben: Viel Bum und tolle Stunts. Ich schaue mir das gerne an, aber will ich das lesen? Irgendwie hat mich das ganze Skript an eine Mischung aus «The Transporter» und «Dark Justice» erinnert. Wer gern Aktion liest, möchte, dass das Gute siegt, nicht auf Inhalt achtet, dem wird das Buch gefallen. zurück alle Rezensionen Thriller / Krimi Literaturblog Sabine Ibing