© Sabine Ibing, Lorib GmbH
Autorin Sabine Ibing
Bücher, die mir selbst gut gefallen haben zeitgenössische Romane Rezension Havarie von Merle Kröger In   der   Nacht   verlässt   ein   Schlauchboot   mit   Flüchtlingen   die   Küste   von   Algerien,   Kurs auf   Catagena.   Für   Karime   Yacine,   den   Menschenschmuggler   ist   das   gefährlich,   aber nicht   das   erste   Mal.   Er   ist   ein   Haraga,   Männer,   die   als   Helden   gefeiert   werden,   das sie    mit    ihren    kleinen    Schnellbooten    den    Radar    der    spanischen    Küstenwache austricksen.   Zur   gleichen   Zeit   läuft   aus   Algerien   ein   deutscher   Frachter   nach   Dublin aus. Ein Kreuzfahrschiff mit Touristen an Board ist auch in dieser Region unterwegs. Es       herrscht       Nebel       und       schlechtes       Wetter.       Das       Flüchtlingsboot       wird manövrierunfähig,   das   ihm   das   Benzin   ausgegangen   ist.   Nach   dem   Seerecht   muss eins   der   Schiffe   sich   um   die   in   Not   geratenen   kümmern.   Anhalten   kostet   Geld.   Ein spanisches   Rettungsschiff   wird   gerufen.   Auf   diesem   macht   der   spanischen   Fischer Diego   Martinez   Dienst,   der   bei   der   Küstenwache   dient.   Er   erzählt   die   Geschichte seines   Stadtteils   und   von   den   Toten,   die   jeden   Tag   anschwimmen.      Auf   jedem   dieser Boote    befinden    sich    Menschen,    deren    Geschichte    erzählt    wird:    Vom    syrischen Tellerwäscher,   der   eigentlich   Arzt   ist,   vom   indischen   Security-Offizier,   der   von   der Rederei    seine    Anweisungen    bekommt,    von    der    älteren    deuten    Jüdin,    die    ein Pflegefall ist. Die   Kreuzfahrer   Zeigen   ihr   Mitleid   und   winken   mit   Sekt   in   der   Hand.   Es   wird   gelästert, gewitzelt,   natürlich   mit   dem   Handy   gefilmt.   An   Land   gibt   es   noch   Zohra,   die   Freundin von   Karim,   die   in   Frankreich   arbeitet,   krank   ist,   Heimweh   hat,   Sehnsucht   nach   Karim. Sie   fährt   an   die   spanische   Küste,   um   Karim   näher   zu   sein,   weiß   aber   nicht,   was   auf dem Meer passiert. Karim ist einer der Schlepper. Das    Schicksal    von    11    Personen    ist    hier    miteinander    verwebt.    Jeder    hat    seine Sichtweise,   seine   Interessen.   Merle   Kröger   erzählt   gekonnt   in   Fragmenten,   die   Stück für   Stück   zusammengefügt   werden.   Grundthema   ist   das   Thema   Flucht,   aber   auch von   Veränderung,   von   Menschenwürde   und   Träumen,   ein   politischer   Roman.   Die Anschauung   der   Einzelnen   wird   beeinflusst   aus   ihrer   Lebensgeschichte,   aus   de r Örtlichkeit   und   Abhängigkeit.   Die   Lupe   auf   die   Person   gestellt,   ihr   Motive,   das   was   sie vorantreibt   beziehungsweise,   was   sie   erstarren   lässt.   Ein   kluges   Psychogramm   und eine Gesllschaftsstudie ist Merle Kröger hier gelungen. Ein großartiges Buch, das man nicht verpassen sollte zu lesen. Zurück zu Liste Rezension zeitgenössische Literatur Zurück zu Liste alle Rezensionen
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