© Sabine Ibing, Lorib GmbH
Autorin Sabine Ibing
Der erste Satz: »Fliegen ist gut.« Ein rasanter Roman. Eine Nacht, die alles verändert. Was passiert, wenn man am falschen Tag am falschen Ort die auf die falschen Menschen trifft? Berlin, Stadtteil Prenzlauer Berg, ein Sterne Restaurant an der Grenze zum Wedding. (Bitte nicht hinfahren, das Restaurant ist fiktiv, allerdings gibt es in dieser Gegend die beste Patisserie der Stadt) Ein kurzer Abriss einer Großstadt, Nadine, Mitarbeiterin eines Callcenters hält dem Druck nicht stand, all die Beschimpfungen. Muss sie auch nicht, sie ist verlobt auf dem Dorf, kurz vor der polnischen Grenze, Tim, ein netter Bauer, eine Zukunft. Will sie das? Liebt sie den Mann? Eher nicht, er bedeutet jedoch Sicherheit. Und da ist Jan, der Kollege aus dem Callcenter, Studienabbrecher, einer, der es wohl nie schaffen wird, mit dem sie guten Sex hat. Für den letzten gemeinsamen Abend trägt sie ein sexy-Kleid, das sie nur hier in Berlin tragen kann. Jan ist verliebt in die hübsche Nadine. Er weiß, die wird zu Tim fahren, nach Hause. Nadine ist die Richtige. Dieser Abend, der letzte, denn Nadine hat bereits ihre Wohnung gekündigt, kann alles drehen. Er ahnt, dass er bereits ihr Herz erobert hat. Die Einladung in das Szenelokal mit dem Stern, die Ringe in der Tasche, alle ist gut. Zur Bank hat er es nicht mehr geschafft, die werden wohl Karte nehmen. »Seinen Gerichten gibt er Namen, die nichts mehr erkennen lassen von den Spuren, die zu ihnen geführt haben.« Tobias Naujoks, den Sternekoch, Schulversager, aber er hat es geschafft. Gehäxelt, zerkleinert, Sud aufgefangen, geköchelt, verändert, gemischt, zugefügt, nichts ist das, was es scheint. Er ist der Genialste seiner Art. Doch er steht unter Druck, das Leben ist hart, beste Ware, feinste Arbeit, hartes Regime in der Küche, Stress, Drogen, damit er übersteht. Die Lieferanten verlangen Bares. Die Bank, die ihm zu Risikoanlagen geraten hatte, alles verloren, jetzt verlangen sie die Kredite zurück. Axel Hentschel, ein ehemaliger SEK-Mann, haben sie zum Streifebullen degradiert. Der wird dem Jungspund mal zeigen, was ein echter Bulle ist! Alle Protagonisten treffen auf dem Siedepunkt dieser Nacht aufeinander, das Drama ist vorprogrammiert … Volker Heise braucht wenig, um seine Charaktere zu präzessieren. Großstadt-Dschungel, die Katastrophe bahnt sich an. Ständiger Perspektivwechsel zwischen den Protagonisten, irgendwann ahnt man, hier braut sich ein Gewitter zusammen. Es brodelt im Kiez, das Publikum wandelt, Gentrifizierung macht sich breit, schlechte Bezahlung für nervenraubende Jobs, Träume, die nicht erfüllt werden. Großstadteinsamkeit, immer wieder der Focus auf die Stadt. Die Protagonisten mittendrin, jeder hat sein Problem, jeder muss sich in seinem Leben zurechtfinden. Das Setting liest sich wie ein Film: Schnell, bildhaft, die Kamera zoomt heran, bietet danach gleich wieder die Weitwinkelperspektive. Atemlos durch die Nacht, eine Nacht in Berlin, auch wenn dieser Name niemals fällt. Spannungsliteratur, Gesellschaftsliteratur, Literatur auf jeden Fall, sprachlich präzise in Bilder gesetzt, ein ausgezeichneter Roman. Bitte beim Lesen das Luftholen nicht vergessen! Volker Heise, ist Regisseur, Dramaturg («Black Box BRD») und Produzent. Seine Fernsehserie «Schwarzwaldhaus 1902»  wurde mit dem Grimme- Preis, die Serie «Zeit der Helden», die Produktionen «24h Berlin – Ein Tag im Leben» und «24h Jerusalem» mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Seit 2010 ist er Kolumnist der «Berliner Zeitung» und der «Frankfurter Rundschau». Zurück zu Liste Rezension zeitgenössische Literatur Literaturblog Sabine Ibing
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